Mein Sternenweg

Was flüstert meine Sehnsucht?
Sie wispert: „träum’ nicht von der Ferne“
Ich schloss die Augen und träumte mir
Dort am Ende der Welt, wär’ ich so gerne.

Durchwanderte Navarras Land
Ich würd’ so nah dem Himmel sein
Am Gipfel reicht ich Gott meine Hand
Sein Sternenzelt würd’ mein Kompass sein.

In tiefe Täler zöge es mich
Wo Bäche reinem Quell’ entspringen
Der Wälder grüner Duft erquickt
Die Nachtigallen meinen Pfad besingen.

Ich streife durch des Kornes Felder
Wie zart im Winde sie sich wiegen
Ein Ende konnt’ ich nicht erspähen
Im Horizont noch wogen Ähren.

In sanften Hügeln roter Mohn
Ein Lerchensang am blühend’ Pfad
Ist’s so flirrend heiß mein gelber Weg
Der so endlos… vor mir lag.

Kastilien ach, so fruchtbar karg
Lehrst manchem Pilger Müßiggang
Lässt Geist und Sinne wacher werden
Lehrst dem Menschen wieder Mensch zu werden.

Im Nebelregen, eisig Wind
Durchstreift’ ich Dich Galicien
Dein’ höchsten Gipfel, den ich erklimm’
Offenbarte manchen Lebenssinn.

Mein Pilgerweg dem Ende nah
Santiago… ja, ich spüre Dich
Erfüllst mein Dunkel mit Seelenlicht
Doch stillst du meine Sehnsucht nicht.

Noch weiter muss mein Pilgerherz
Wo aller Ende Anfang ist
Wo im Meer zerfließt mein War, mein Schmerz

Wo das Ende der Welt meine Seele küsst.

04 Aug17

Pilgerherz

Die Reise in ein fremdes Land
Wo mein wahres Ich, ich fand
Es drängte meine Seele fort
An jenen stillen Ort.

Ich reiste in die Ferne
Zu ordnen meine Sterne
So endlos lag das Himmelszelt
Für kurze Zeit war es meine Welt.

Endlos schien der Pilgerpfad
Ein gelber Weg, der vor mir lag
Ihn beschreiten- Schrittgemach
Ohne Eile ohne Hast.

Abgeschieden viele Pfade
Schritt ich oft so manche Tage
Am Abend dann, dort traf ich sie
Redeten und lachten viel.

Im Morgentau, Navarras Land
Führte mich Jakobus Hand
Zum labend reinem Rolandsquell
Zu stillen dort meine dürstend Seel’.

Düfte küssten meine Sinne
Klarer schien mir nie der Himmel
Tiefe Pfade schlängeln sanft
Durch der Berge Klamm.

Kastilien vor mir wie gemalt
Kathedralen tausend Jahre alt
Getränkte Schönheit die ich sah
Galiciens Berge waren nah.

In kühlen Mauern bete ich
Umgeben nur von Gottes Licht
Vergesse Zeit- Vergangenheitstraum
Dort fand ich meinen tiefen Glauben.

Lausch’ dem feinen Engelssang
Nach Jahren eine Träne rann
Empfange meinen Pilgersegen
Wird’ die Hand auf ewig spüren.

Pilger die mir gleichgesinnt
Teilen meinen gleichen Sinn
Einmal nur sie selbst zu sein
Einmal nur von Zwängen frei.

Dort sich all der Zeit entbinden
Wo Pilger zueinander finden

Auch wenn die Zeit zur Neige geht
Gewesenes in Büchern steht
Im Lehnstuhl unseren Träumen folgend
Wird doch eines immer bleiben:

Ein Pilgerherz… geht stets auf Reisen.

14Aug15

Und immer ist der Weg in mir

Und immer ist der Weg in mir
Am Tage wenn ich träume
Und immer ist der Weg in mir
Des Nachts wenn ich ihm folge

Der Alltag kam so rasch…
…gewiss
Das täglich’ Mühen bleibt

Drum schwelge ich in Sehnsucht
…in meinen Gedanken zurück
Zu meiner kleinen Freiheit:

Noch ruht der Pilger, leis’ mein Schritt
Cafe con Leche weckt mein’ Sinn
Was brauch’ ich mehr zum Pilgerglück
Rucksack, Stab und meinen Hut
So schreite ich des Weges hin

Frühauf im stillen Morgen
Niemand vor- noch hinter mir
Noch zaghaft ist die Sonn’ verborgen
Alte Mauern, Spaniens Zier

Das Morgenrot, noch etwas kühl
Meine Seele jedoch…
…sie ist warm
Hab ich doch mein fernes Ziel
Jakobus zu umarmen

Ein Pilger naht mit festem Schritt
Sein Tagesziel ist zu erreichen
Ich halt nicht mit ihm mit
Ich werd’ am Bache weilen

Erfrische mich an seinem Lauf
Die Nachtigall sie singt am Tag
Frühe Schwalben, denen ich lausch’
So ist es gut, wie ich es mag

Gleißend wandert hoch die Sonne
Doch ist’s mir einerlei
Ich strotz vor Glück und Seelenwonne
Ich lebe- ich bin frei

Mein Weg nimmt seinen Lauf
Heiß flimmert es am Horizont
Im alten Bethaus, dort ruh ich aus
Im Stillen, wo der Glaube wohnt

Ein kleines Öd im Navarraland
Im tiefen Tal, dort halt ich ein
Ein sattes Mahl, ein kühles Bier
So ist’s…
…des Pilgers Glückseeligkeit

Die Nacht…
…ein tiefer Schlummer
Bis meine Sehnsucht mich erwacht
Ich breche auf im frühen Sommer
Folge gedankenfrei…
…Jakobus Pfad

So könnt es sein…
…und immer zu
Pilgern nur gedankenfrei
Auf dem Camino…
Dort fand ich meine Ruh

Ich werde wieder gehen
Von Navarra bis Galizien
Um am Ende der Welt zu stehen
Dort…
Wird mein Herz erneut erblühen

16Aug17

Mein Weg nach Santiago

Ich stand dort oben
Auf des Passes Höhe
„Puerto del Perdón“

Wo der Weg der Winde
den Weg der Sterne kreuzt

Ich lebte diesen Augenblick
schweifte über Bergesdünen
Klare Winde streiften mein Gesicht
Sah des Passes Mühlen

Welch` Empfindungen in mir:

Du tausend Jahre alter Pfad
Du Berg der Läuterung
Du Weg des Findens

Wie ein lauer Sommerwind
Schwang meine Seele in Demut

Ich bin in Spanien…
Nehme es wahr
Ja…
Kein Traum…

Oh meine Sinne so licht

Sitz unter einem klaren Sternenzelt
Tinto Vino… In Puente La Reina

Hier treffen sich zwei Wege
der Navarrasche…
Und Aragonesische

Hier trennten sich unsre Pfade:

Mein Pilgerfreund, ein guter Kerl
Gemeinsam gingen wir ein Stück
Doch rief mich mein Alleinsein zurück
Nun war ich… ich

Ein mundig Wein- Oliven dazu
Glockengeläut und Schwalbensang
Im Monat Mai…
Der Abend so lau
Lebe ich die Fremde…

Leb ich die Ruh

Der Tag bricht heran
Noch ruht die Sonne
Allein wird mein Gang
…erfüllt ist mein Weg

Der Königin Brücke
Geschichte in Stein
Die Arga fließt flüsternd…
Vom Pilgerdasein

Ich passierte die Brücke
Welch` seliges Glück
Richtung Santiago
Immer Schritt für Schritt

25Juli15

Warten auf den Augenblick

Und wieder dies’ Gefühl im Bauch
Wies jeder Pilger kennt
Das Harren auf den Augenblick
So habe Ichs gelernt…
…Zeit…
…ist nur ein Wimpernschlag

Bis mein Fuß den Weg berührt
Fremd vertraute Stimm’ ich lausch
Des Schrittes Ton und Windesrausch
Den Pfeilen folgen Höh’ n und Klamm
Stille Auen…
Vogelsang

Das Schuhwerk feste schnüren
Meinen Rucksack wieder spüren
Schlicht sich nur zu kleiden
Keinen Luxus den ich brauch
Eine Zeit nur…
…Eile meiden

Raunend Treiben in der Früh`

Cafe con Leche und Baguette
Noch ruhn die ersten Sonnenstrahlen
…vereinzelt Nebelschwaden
Geh beseelt ich meinen Weg

„Buen Camino“, Herzlichkeit

Einsamkeit und Schritt zu zweit
Hilfsbereitschaft jederzeit
…Spaniens Freundlichkeit
So weit mein Blick auch reicht
Glücklich ist mein Wesen
…und wenn es nach Gesellschaft
…schreit…
Ist ein Pilgerherz zugegen

Keinem Drängen ausgesetzt
Bescheidenheit wird mein Gebot
Erwartungen sind ausgegrenzt
Zufriedenheit…
…in mir zu Gott

So harre ich der schönen Zeit
Und flüstere zu meiner Seel`
„Komm, wir machen uns bereit
Im Geiste auf den Weg.“

20Okt17

Erwartungslose Hoffnung (Mein Jakobsweg)

Vor meinem ersten Camino 2015,
hatte ich diese Zeilen geschrieben.

Seit dem glaube ich nicht an Zufälle.
Seit dem gibt es für mich keinen Tellerrand.
Seit dem ist Vieles für mich möglich.
Nicht alles, doch so viel,
dass es zum Glücklichsein reicht!

Ich lass mich ein auf das Unerwartete.

Das ist mein Weg, darum gehe ich ihn
Denn mein Leben war geprägt:
Von Erwartungen und Hoffnungen
Welche mir in die Wiege gelegt wurden

Ich plane und plante
Ich schaue- und schaute voraus
Ich erwarte- und erwartete

Erwartungen sind verbunden mit
Hoffnungen
Aber auch Zielen
Die sich zumeist nicht erfüllen- erfüllten
Umso schmerzhafter die Erkenntnis

Manches war und ist im Ansatz
Manches im Nebelschleier
Manche Hoffnungen beleben
Manche Hoffnungen zerstören

Und doch lebe ich mit der Hoffnung
Aus der Hoffnung schöpfe ich Kraft
Denn Hoffnung heißt auch Glauben
Dennoch erhoffe ich mir nichts

Darum gehe ich ohne Erwartungen
Lass mich ein, auf jeden neuen Tag
Will mich verzaubern lassen
Will mich erstaunen lassen- will lernen

Ich will lernen, die Dinge anzunehmen
So zu nehmen, wie es mir bestimmt ist
Um zu lernen, das nicht alles kommt
Wie ich es mir erwünsche

Umso leichter wird mein Sein
Umso freier meine Seele
Umso klarer meine Gedanken
Umso pulsierender, spürender mein Herz

Ob es so sein wird?
Ich weiß es nicht- erpicht mich nicht
Ich bleib voller Hoffnung- erwartungslos!

11Nov17